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Diversität im Investorendialog: von untergeordneter Bedeutung?

13. Juli 2021

Governance

In seiner aktuellen Monatsfrage wollte der deutsche Berufsverband der Investment Professionals, DVFA, von seinen Mitgliedern wissen, wie sie mit Diversität im Investorendialog umgehen. Trotz aller ESG-Bekundungen ergibt sich ein mageres Bild: Für mehr als 50 Prozent der Befragten spielt die diverse Zusammensetzung von Vorstand oder Aufsichtsrat eines Unternehmens keine oder nur eine marginale Rolle. Ist das eine gute Nachricht für alle die, die keine Frauen in ihren Gremien haben (wir berichteten)? Nun ja, es ist kompliziert.

Analog zu Henry Ford, der die Hälfte seiner Marketingkosten für herausgeschmissenes Geld hielt, könnten IR-Verantwortliche nun argumentieren, ihre Investoren sprechen Diversität im Dialog nie an. Also, könnte man folgern, gehören diese wohl zu der Hälfte, die sich nicht dafür interessiert. Aber wie der gute alte Ford, wissen es die IROs tatsächlich nicht genau. So haben bei der DVFA-Befragung insgesamt überhaupt nur 17 Prozent der Mitglieder angegeben, dass sie das Thema Diversität mit den Vertretern eines Unternehmens diskutieren. Der Dialog findet wohl eher außerhalb statt. Beispielsweise mit den Kunden, denen sie das Investment erklären müssen. Aus einer aktiven Interessensbekundung leitet sich folglich nicht ab, zu welcher Hälfte die eigenen Investoren zählen. Es ist ein irreführender Indikator. Selbst, wenn die Heterogenität der Führungsgremien eines Unternehmens unzureichend ist und dies im Anlageprozess Berücksichtigung findet, würde nicht jeder Investment Professional dies aktiv besprechen.

Interessant ist zudem, mit wem Investoren darüber sprechen: Nämlich mit nur 15 Prozent am seltensten mit der Person, die dem Aufsichtsrat vorsitzt. Also mit der Person, die am ehesten Einfluss auf die Besetzung der Gremien üben kann. Am beliebtesten als Gesprächspartner sind bei 48 Prozent die IR-Verantwortlichen. Gut ein Drittel spricht mit dem Vorstand darüber.

Nun ließe sich noch einwenden, dass die Zusammensetzung eines Gremiums nach Geschlecht nur einen Aspekt von Diversität abdeckt. Dennoch ist er für 77 Prozent der Befragten der relevanteste. Deutlich dahinter rangieren mit 69 Prozent die Internationalität, 56 Prozent der Ausbildungshintergrund und 53 Prozent das Alter.